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Das Helfersyndrom

Helfende und Helfer

Einfach nur "helfen wollen" - das scheint so menschlich und so wertvoll. Doch leider ist das Helfersyndrom oftmals auch eine Quelle für Stress und Belastung und es zeigt nicht selten, dass in der Persönlichkeit des Helfenden einige Schwierigkeiten "schlummern". Wenn es problematisch und belastend wird, wenn sich psychische Beschwerden zeigen, dann kann das Helfen zur Krankheit werden – und dann müssen Psychotherapeuten dem Helfenden helfen. Überforderungserleben, Stress und Burnout.

Als Helfersyndrom bezeichnet man das Phänomen, wenn ein Mensch ständig den Drang verspürt, jedem helfen und jeden unterstützen zu müssen. Betroffene kümmern sich um die Probleme und Angelegenheiten ihrer Freunde, Verwandten und Bekannten und gehen dabei häufig über eigene Grenzen oder vernachlässigen eigene Aufgaben. Das Helfen wird regelrecht zur Sucht und ist oft die einzige Selbstwertquelle, die der Betroffene hat. Menschen mit Helfersyndrom neigen auch dazu, ihre Möglichkeiten zur Hilfe zu überschätzen, lehnen selbst Hilfe jeglicher Form ab und nehmen auch nicht wahr, ob ihre Hilfe überhaupt gewünscht ist oder nicht. Langfristig führt ein stark ausgeprägtes Helfersyndrom oft zu Überforderungserleben, Stress und Burnout.

Symptome eines Helfersyndroms

  1. Selbstwertgefühl - Betroffene haben ein geringes Selbstwertgefühl und ziehen ihren Selbstwert aus dem Erleben von "Gebraucht werden" 
  2. Leidensfähig und aufopfernd - es kommt zu einer Aufwertung der eigenen Person, weil man „besonders leidensfähig und besonders aufopferungsvoll“ ist
  3. Umsetzung eigener Vorstellungen beim Helfen - die Wünsche desjenigen, der die Hilfe erhält, werden nicht berücksichtig. Oft wird die Hilfe aufgedrängt und ein eigenes Wertesystem gleich mit vermittelt
  4. Dankbarkeit und Erwartungen - Betroffene erwarten Dankbarkeit und Anerkennung von den Menschen, denen sie geholfen haben
  5. Eigene Bedürftigkeit wird abgelehnt – selbst Hilfe zu erhalten lehnen Betroffene strikt ab. Eigene körperliche und emotionale Grenzen werden missachtet
  6. Frustration und Enttäuschung – Betroffene sind (vor allem langfristig) frustriert (verbittert), wenn sie diese Dankbarkeit nicht erhalten

Hintergrund und Anmerkungen

Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Ursachen für die Entstehung eines Helfersyndroms: . Zumeist wird man ein schwaches Selbstwertgefühle finden, das durch durch die Helferrolle ausgeglichen wird. Auch die Überzeugung, nur gemocht zu werden, wenn man für andere eine Leistung erbringt , ist Ausdruck eines schwachen Selbstwertes. Die Unfähigkeit, belastete emotionale Situationen bei anderen zu sehen und auszuhalten , kann ebenfalls zu einem Helfersyndrom führen. Es kann auch nach einer "zufälligen" Hilfsaktion eine Sucht entstehen nach dem Gefühl, gemocht und gebraucht zu werden . Leider sind Helfersyndrome auch von Eltern zu provozieren, wenn diese ihrem Kind vermitteln, für die Gefühle anderer verantwortlich zu sein („Du bist schuld wenn Papa traurig ist“) .
Das Helfersyndrom ist pathologisch, wenn eigene Grenzen andauernd überschritten werden . Auch wenn die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurück gestellt werden (wenn sie überhaupt wahrgenommen werden) oder eigene soziale Beziehungen (Familie, Freunde, Partnerschaft), die symmetrisch sind, vernachlässigt werden. Gerade wenn die Entscheidung, einem anderen helfen "zu müssen" zulasten der persönlichen Beziehungen geht, ist das gefährlich. Ein gutes Zeichen dafür, dass das Helfersyndrom zumindest schwierig ist, ist auch die Umsetzung von Hilfestellungen, die gegen den Wunsch des Gegenübers gerichtet sind und diesen bevormundet. 
Langfristige negative Folgen vom Helfersyndrom. Beziehungen werden ungleich (einer gibt nur, einer nimmt nur) und eigene Wünsche, Ziele und Bedürfnisse werden nicht erreicht bzw. nicht befriedigt. Dies führt zu dem Gefühl von Überlastung, Depression, Burnout und Frustration, weil die eigene Leistung nicht gewürdigt wird . Dann kommt hinzu, dass derjenige, der die Hilfeleistungen erhält, keine eigenen Kompetenzen entwickelt bzw. nur soweit, wie es der Helfende zulässt. Die meisten Situtationen, in denen das Helferschema angesprochen wird, folgen oft dem Dramadreieck.

7 Tipps für einen besseren Umgang mit dem Helfersyndrom

  • Abwägen und Nachrechnen - Wenn jemand Sie aktiv um Hilfe bittet, sagen Sie nicht sofort ja, sondern nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung. Überlegen Sie sich gut, wie viel Aufwand es für Sie bedeuten würde, der Hilfe nachzukommen. Welche Kosten würden Ihnen entstehen?
  • Ausgleich und Entlastung - Schaffen Sie sich alternative Selbstwertquellen. Vielleicht können Sie ein Hobby/eine Freizeitaktivität aufnehmen? Versuchen Sie, etwas zu finden was Ihnen Spaß macht und Ihnen vielleicht kleine Erfolgserlebnisse ermöglicht. 
  • Eigene Einstellungen offen mitteilen - Üben Sie, anderen Menschen mitzuteilen, was für Sie wichtig ist, was Sie denken und fühlen und was Sie sich wünschen. Warten Sie nicht darauf, von anderen gefragt zu werden und verlangen Sie nicht, dass Ihr Gegenüber Ihnen ansieht, was Sie gerade fühlen und brauchen.
  • Beziehungen prüfen – Stellen Sie sich die wichtigen Beziehungen in Ihrem Leben wie eine Waage vor. Ist die Waage ausgeglichen? Oder sind Ihre Beziehungen von einem Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen geprägt? Dann überlegen Sie, was Sie dafür tun können, um die Beziehungen gerechter zu gestalten. Halten Sie sich mit Ihrem Einsatz ein wenig zurück und nehmen Sie Bemühungen der Gegenseite an.
  • Hilfe einfordern und annehmen - Üben Sie, um Hilfe zu bitten. Vielleicht fragen Sie Kollegen auf der Arbeit um Rat? Oder bitten Freunde oder Familie um einen kleinen gefallen. Denken Sie immer daran: Vermutlich wird es Ihrem Gegenüber eine Freude bereiten, wenn er Ihnen auch einmal helfen darf.
  • Freizeit aktiv ohne Helfen müssen – Üben Sie, auch allein Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Menschen mit Helfersyndrom neigen dazu, alle Unternehmungen nur in Begleitung zu beginnen. Setzen Sie sich allein in ein Café, gehen Sie spazieren oder gehen Sie ins Kino. So werden Sie lernen, dass Sie auch ohne andere Menschen Freude empfinden können.
  • Achtsam den Körper wahrnehmen - Hören Sie auf Signale ihres Körpers. Machen Sie Pausen, wenn Sie müde oder erschöpft sind. Kümmern Sie sich um Ihren Körper, z.B. durch regelmäßige sportliche Aktivität oder durch Lernen eines Entspannungsverfahrens.

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